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Die Fahrt nach Bonegilla war lang

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Die Fahrt nach Bonegilla war lang (ich glaube über 8 Stunden) und unbequem, aber dennoch sehr interessant. In Woodonga, einer Kleinstadt an der New South Wales Grenze, mussten wir in einen Bus umsteigen, der uns dann nach Bonegilla brachte.

Bonegilla war und ist auch heute noch eine Kaserne und ein grosser Teil der Kaserne wurde damals für Auswanderer freigelegt. Die Unterkunft hier war sehr primitiv, sogar fuer die damaligen Zeiten, doch wir mussten das Beste aus der Situation machen. Ich hatte nur Mitleid mit den Familien mit Kindern, denn die hatten es nicht leicht hier ein normales Leben zu fuehren.
Fuer uns Junggesellen gab es einen kleinen Raum mit zwei Betten und zwei Schraenken, das war alles. Ich moechte jedoch noch berichten, dass die Verpflegung sehr gut war.

Unser erstes Zuhause in Bonegilla  (Ich sitze links) Juli 1961

             Die Naechte waren fuerchterlich kalt, denn es war mitten im Winter, tagsueber wurde es jedoch angenehm warm. In der Ferne konnte man die schneebedeckten Berge sehen.Es dauerte ungefaehr eine Woche bis ich so einigermassen klimatisiert war. Es war nun auch schon über drei Monate her, dass ich meine Stellung in Koeln aufgegeben hatte. So wurde es langsam Zeit, mich nach einer Arbeitsstelle zu erkundigen. Doch mit dem arbeiten, so erfuhr ich, musste man warten bis man eine Arbeitsstelle zugewiesen bekam. Einige Leute warteten schon seit über 18 Monaten.
So lange wollte ich natürlich nicht warten und nach langem debattieren mit meinen drei Freunden entschlossen wir uns, ohne uns hier abzumelden, nach Sydney zu fahren. Am naechsten Tag beschafften wir uns die Zugfahrkarten und am folgenden Sonntagabend fuhr unser Zug planmaessig vom Bahnhof in Albury ab. Albury liegt an der Victorien Grenze in New South Wales.

14 Stunden spaeter erreichten wir Sydney, die Stadt von der ich schon als Kind faziniert war. Als erstes kauften wir uns eine lokale Zeitung, um eine Unterkunft zu finden. Wir waren erstaunt über die Anzahl der Angebote und entschlossen uns fuer ein Boarding-house (Pension) in Glebe, einem Vorort der Innenstadt. Nach einer zehnminutigen Taxifahrt erreichten wir unser Ziel und klopften an die Tuer.
Eine junge Frau oeffnete die Tuer und fragte uns in enlisch:"Was kann ich fuer Sie tun?" Mit unserem sehr beschraenkten Englisch,versuchten wir so gut wie moeglich, uns verstaendlich zu machen. Zur unserer grossen Ueberraschung antwortete sie in perfekten Deutsch: "Wenn ihr Unterkunft mit voller Verpflegung sucht, seid ihr hier richtig." Wir konnten unser Glueck kaum fassen, waren wir doch tatsaechlich ganz zufaellig auf eine Pension mit nur deutschen Gaesten gestossen. Was fuer ein Glueck!

Die Vollpension kostete uns 6 Australische Pfund, damals waren das ungefaehr 55 DM. Es waren noch 12 andere Gaeste hier. Alles junge deutsche Leute, die mehr oder weniger aus den selben Gruenden wie ich nach Australien gekommen waren. Sie waren auch sehr hilfsbereit uns gegenueber. Zwei Wochen spazierten wir durch Sydney und Umgebung und sahen uns alle Sehenswürdigkeiten an, die Touristen ueblicherweise besuchen.

Sydney 1961. Fotografiert von der Sydney Harbour Bridge

Nun aber wurde es doch Zeit, auf Arbeitsuche zu gehen. Was ich aber vorher noch erwaehnen moechte ist, dass ich von Sydney nicht enttaeuscht war. Sydney war - und ist immer noch fuer mich eine der schoensten, wenn nicht die schoenste Stadt der Welt. Ich selbst wohnte dort fuer ueber 22 Jahre.

Sydney heute

Leider konnte ich keine Stellung als Installateur bekommen, da hier in Australien die Lehrzeit 5 Jahre betraegt. Ich selbst hatte nur 3 Jahre Lehrzeit und 6 Monate als Geselle hinter mir. Mir wurde zwar eine Verlaengerung meiner Lehrzeit angeboten, doch ich musste ablehnen und mir das fuer spaeter aufheben, denn im Moment brauchte ich genug Geld, um meinen Lebensstandard zu erhalten. Einige Tage spaeter bewarb ich mich fuer eine Stellung als Kuehlschrankreparierer und zu meinem grossen Erstaunen bekam ich den Posten. Ich hatte fast keine Erfahrung mit Kuehlschraenken, doch mit sehr viel Hilfe von meinen Arbeitskollegen wurde ich schnell ein Experte in diesem Fach.

Die Loehne in Australien waren damals ungefaehr doppelt so hoch wie in Deutschland und die Lebenskosten waren auch nicht sehr hoch. So hatte ich nach 4 bis 5 Monaten Arbeit und vielen UEberstunden genug Geld, um einen alten Landrover zu kaufen. Es war immer mein Wunsch gewesen,in den Bush zu gehen und zu jagen und spaeter, wenn wir genug Geld gespart hatten, in Lightning-Ridge nach schwarzen Opalen zu graben. Lightning-Ridge ist der einzige Ort auf der Welt, wo man schwarze Opale finden kann.

  

1961 in Sydney vor unserer Safari

                 Auf Kaenguruhjagd konnten wir schon in den Weihnachtsferien gehen. Damals waren die meisten Firmen über Weihnachten fuer mindestens 3 Wochen geschlossen. Jetzt mussten wir schnell alle Vorbereitungen fuer unsere dreiwoechige Safari treffen, denn es waren nur noch 2 Wochen Zeit, bis unser grosses Abenteuer begann. Wir brauchten Gewehre, Munition, ein Zelt etc. etc...

Es begann fuer uns eine sehr spannende, aufregende und unvergessliche Zeit.

Sydney Luftaufnahme

Bilder aus Australien

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Ein Bericht von Siegfried Lehmann,

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