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Nach fuenf Monaten war es dann

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soweit. 

Nach fuenf Monaten war es dann soweit. Die Nachricht kam Anfang April mit der Morgenpost in einem grossen Briefumschlag. Hier fand ich alle Instruktionen die ich brauchte, um nach Australien auszuwandern (eigentlich wollte ich nicht auswandern, sondern nur fuer zwei Jahre Arbeitsferien machen und dann wieder zurueck nach Koeln). Auch die Schiffsfahrkarte von Bremerhaven nach Melbourne war dabei. Ich hatte ungefaehr fuenf Wochen Zeit bis zur Abfahrt von Koeln nach Bremen. Das Schiff war die "Castle Felice". Hier moechte ich noch erwaehnen, dass ich auch mit einem Flugzeug nach Australien haette reisen können, doch die Wahl war fuer mich leicht, eine sechswoechige Seefahrt war fuer mich die einzige Wahl.

In derKoelner Flora, ein Monat vor meiner Abreise.

Der Abreisetermin von Bremerhaven war der 27.5.1961. Um alles zu erlediegen, kuendigte ich schon jetzt meine Stelle bei der Post, denn ich musste mir noch einen Reisepass, Geburtsurkunde usw. besorgen. 

1961 in der "Glocke". Mein letzter Karneval in Koeln. Ich sitze in der Mitte.

Dann aber auch noch die Abschiedsparties von meinen Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen.

Damals mein bester Freund Karl-Heinz Schmitz, geboren in Nippes. Er wohnt  immer noch dort

Diese Zeit ging sehr schnell vorbei und am 26.5.1961 fuhren meine Eltern, meine kleine Schwester Angelika (sie war damals gerade 4 Jahre alt) und ich mit dem Zug von Koeln-Hauptbahnhof nach Bremen. Meine Eltern und meine Schwester blieben über Nacht in Bremen, ich aber musste im Ueberseeheim in Bremerhaven übernachten. Über die Unterkunft hier konnte ich mich nicht beklagen.

     

         Bremen, Ueberseeheim May 1961

     Am naechsten Morgen wurden dann alle Formalitaeten erledigt und los ging es mit meinen Eltern und meiner Schwester zum Hafen, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Ozeandampfer sah. Die "Castle Felice" war verhaeltnismässig klein, doch für mich war es damals das groesste Schiff, das ich jemals gesehen hatte (13000 Tonnen). Nach viel hin und her durfte ich endlich ans Deck gehen.

 Ploetzlich aber überkam mich die Angst. Wohin gehe ich eigentlich? Was soll ich in Australien machen? Ich konnte ueberhaupt kein Englisch. Dies war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mein Elternhaus verliess! Ich bekam ganz weiche Knie. Doch es war zu spaet zurueckzugehen.


         

               Die "Castle Felice" in Aden, Yemen 


Auf dem Schiff waren so viele Leute, dass ich mich ein wenig sorgte, wie man all diese Leute unterbringen konnte. Spaeter stellte ich aber fest, dass genug Platz auf der "Castle Felice" war. Nachdem ich mein Gepaeck (zwei Koffer waren mein ganzes Vermoegen) in meiner Kabine untergebracht hatte, ging ich so schnell wie moeglich aufs Deck um meine Eltern, die am Dock standen, zu sehen. 

    

           Meine Eltern und meine Schwester Angelika am Dock in Bremerhafen, kurz 

vor meiner Abreise 27.May 1961

                    Es war ein trauriges Bild meine Eltern und meine kleine Schwester dort zu sehen. Ich bemerkte auch, dass meine Mutter und mein Vater Traenen in den Augen hatten. Dann spielte eine Kapelle "Aufwiederseh'n Aufwiederseh'n, bleib nicht so lange fort", und auch ich hatte Traenen in meinen Augen.


  
 

Abendessen auf dem Schiff mit meinem Freund Roland. Ich sitze rechts.

          Ungefaehr um 5 Uhr am Nachmittag setzte die "Castle Felice" sich in Bewegung. Wir waren auf unseren Weg nach Australien. Die Unterkunft auf dem Schiff war fuer damalige Verhaeltnisse ausgezeichnet, die Verpflegung war nicht so gut, doch ich gewoehnte mich schnell daran. Das Leben an Bord war einfach fantastisch. Essen, trinken, Parties und auch schlafen, wenn wir Zeit dafuer hatten. Alles war viel billiger hier, denn es war steuerfrei. Unsere erste Station war Port-Said, wo wir aber nur sechs Stunden Aufenthalt hatten. Dann ging es durch den Suezkanal, das rote Meer und wir hatten noch einen kurzen Aufenthalt in Aden (Jemen). Die Armut in diesem Land war fuer mich damals unglaublich.

Aden 1961

             Die naechste Station war schon Fremantle in West-Australien, eine schoene und interessante Kleinstadt in der Naehe von Perth. Wir hatten hier ungefaehr 8 Stunden Aufenthalt.

 Als wir dann zum ersten Mal australischen Boden betraten und mit einem Taxi in die Stadt fuhren wurde mir ploetzlich bewusst, wie schwer es ist ohne Englischkenntnisse in einem englischsprachigen Land zu leben. Es war fast unmoeglich mit Leuten zu kommunizieren. Gluecklicherweise war ich noch sehr jung (19 Jahre) und hatte auf dem Schiff viele Freunde gefunden, mit denen ich noch viele Jahre spaeter in Verbindung war. Auch dauerte es nicht lange, bis meine Englischkenntnisse ein bisschen besser wurden.

   

         Auf der Castle Felice 1961

               Nach Fremantle legten wir Anker in Melbourne,unsere letzte Station. Fuer mich begann nun ein neues Leben in diesem fremden Land. Von Melbourne wurden wir mit einem Zug nach Bonegilla im Norden von Victoria in ein Heim für Auswanderer gebracht.

Bilder aus Australien

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Ein Bericht von Siegfried Lehmann, 

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